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Hallo und herzlich willkommen zum ersten Beitrag des Jahres 2021 auf meinem Blog!

Habt ihr euch auch etwas vorgenommen, das sich in diesem Jahr ändern soll? Und wenn ja, sehen eure Vorsätze durch die Erfahrungen mit Corona anders aus als in den Jahren davor? Bei mir gibt es ein Stichwort, das alle meine guten Vorsätze perfekt zusammenfasst:

Nachhaltigkeit

im Alltag

im Umgang mit meinen Kindern

beim Verbrauch von Ressourcen

Mit anderen Worten heißt das, ich möchte mich auf das Wesentliche reduzieren.

Das tun, was wirklich wichtig ist. 

Nachhaltigkeit bedeutet aber auch, dass meine Gedanken und Ideen einen Zweck erfüllen und nicht in der Schublade oder meinem Kopf verschwinden sollten. Was wäre dafür eine schönere Plattform als mein Blog? Aus diesem Grund habe ich mir auch vorgenommen, euch wieder öfter teilhaben zu lassen an dem, was mich bewegt. Und deshalb freue ich mich, euch schon in der ersten Woche des neuen Jahres den ersten und einen ganz besonderen Beitrag zu präsentieren!

Könnt ihr euch noch an das Interview mit meiner Freundin Lisa erinnern? Das war im Mai und der Auftakt meiner Interview-Reihe mit „besonderen Eltern“. Besonders meine ich im Sinne von großartig…

Heute stelle ich euch Teil zwei meiner Interview-Reihe vor: Es geht um René, der seinen Sohn allein groß zieht und damit nach wie vor eine Seltenheit in unserer Gesellschaft darstellt. Wir haben im Urlaub (als wir noch reisen konnten, es scheint schon eine Ewigkeit her zu sein…) die Gelegenheit genutzt, uns eine Weile zu unterhalten. Das Gespräch hat mich tief beeindruckt.

Lieber René, vielen Dank, dass Du dich für ein Interview zur Verfügung stellst. Möchtest Du mir vielleicht zu Beginn kurz berichten, wie du L.s Mutter kennen gelernt hast?

Hallo Franzi! Gerne: L.s Mutter und ich waren Arbeitskollegen. Die Beziehung zwischen uns hat sich ergeben, wie das eben so ist, wenn man gemeinsam arbeitet. Als wir etwa ein Jahr zusammen waren, wurde sie schwanger, was uns recht unvorbereitet traf. Natürlich haben wir uns trotz der Überraschung auf L. gefreut.

Wie alt war L., als ihr euch getrennt habt? Wie war das für dich?

Die Probleme begannen, als L. etwa anderthalb Jahre alt war. Meine damalige Freundin war zu mir aufs Dorf gezogen, hier wollten wir uns etwas für unsere Familie aufbauen. Ich glaube im Nachhinein, dass sie mit diesem Leben nicht umgehen konnte, sie fühlte sich unselbständig und unflexibel, zumal sie keinen Führerschein besitzt und ich sie überall hin fahren musste. Wir haben uns dann recht schnell getrennt, sie zog aus, etwa 75 Kilometer weit weg, und hat L. mitgenommen.

Insgesamt war es eine schwere Zeit. Das Jugendamt musste eingeschaltet werden, weil wir keine Einigung finden konnten, um die „Besuchszeiten“ zu regeln.

Ich habe meinen Sohn mehrere Jahre lang nur am Wochenende gesehen. Unter der Woche hatten wir kaum Kontakt. Kurz vor seiner Einschulung entschied L., dass er bei mir bleiben möchte. Seine Mutter hatte damals viele persönliche Probleme, bei mir hatte er das stabilere Umfeld, und Großeltern, die mit im Haus wohnen. 

Erzähl doch mal, wie so ein ganz normaler Tag in eurem Leben aussieht!

Das ist sehr unterschiedlich, denn ich arbeite in Schichten. Glücklicherweise konnte ich meine Arbeitszeit mit meinem Arbeitgeber so abstimmen, dass die Schichten für mich günstig liegen. Wenn ich Nachtschicht habe, kann ich mich morgens noch um L. kümmern und zum Beispiel mit ihm frühstücken. Wenn er von der Schule nach Hause kommt, habe ich ausgeschlafen und bin für ihn da. Wenn ich Frühschicht habe, ist meine Mutter morgens für L. da.

L. fährt mit dem Bus zur Schule und ist gegen 14:15 Uhr wieder zuhause. Er ruht sich dann erstmal eine halbe Stunde aus, anschließend werden Hausaufgaben erledigt. Zweimal wöchentlich ist Fußballtraining, dies ist seine absolute Leidenschaft. Hier fahre ich ihn mit dem Auto hin.

Außerdem haben wir drei Jahre lang Logopädie in Anspruch genommen. L. hat große Probleme mit dem Lesen. Ich versuche ihn hier so gut es geht zu unterstützen, bin mir aber nicht sicher, ob das ausreicht. Durch die Einschränkungen im Rahmen der Corona Pandemie ist diese Förderung weggebrochen und konnte bislang nicht wieder aufgenommen werden.

Als allein erziehender Vater auf dem Dorf: Welche Reaktionen hast du erlebt, als L. ganz zu dir kam?

Ich finde eigentlich nicht, dass unser Leben so exotisch ist. Die Reaktionen waren durchweg positiv, insbesondere natürlich die der Großeltern, weil sie ihr Enkelkind jetzt immer um sich haben.

Was war der bisher schönste Moment mit deinem Sohn?

Puh, das ist schwer zu sagen. Wir haben viele schöne Momente. Ich genieße es zu sehen, wie L. sich beim Fußball freut oder wenn er glücklich ist, weil er eine gute Note in der Schule bekommen hat.

Was kannst du deiner Meinung nach besser als andere Väter?

Darüber kann ich mir gar kein Urteil erlauben. Ich würde nicht sagen, dass ich etwas von vornherein besser kann als andere Väter, nur weil ich L. allein groß ziehe. Jeder und Jede hat seinen/ihren eigenen Stil und immer gibt es Vor- und Nachteile.

Was gelingt dir nicht so gut?

Manchmal habe ich Schwierigkeiten, mich durchzusetzen. Vielleicht bin ich nicht konsequent genug und zu nachgiebig, insbesondere wenn es darum geht, dass L. etwas für die Schule macht und lernt. L. kennt leider kaum Grenzen.

Was wünschst du dir für L.s Zukunft? Was möchtest du ihm mit auf den Weg geben?

Ich wünsche mir für L., dass er seine Probleme ernster nimmt und sie angeht, damit er im Leben mehr erreicht.

Außerdem würde ich mich freuen, wenn er es schafft, einmal so selbständig und selbstbewusst zu werden, dass er sich traut, seinen Führerschein zu machen. Dies war ein sehr großes Thema bei seiner Mutter und er soll es in diesem Punkt besser haben.

Schließlich wünsche ich mir noch für L., dass er einmal eine Arbeit findet, die ihm Spaß macht und bei der er sich wohl fühlt.

Gibt es Dinge, die du aus heutiger Sicht anders machen würdest?

 Hierzu gibt es von mir ein ganz klares NEIN.

Dein Rat an alle Eltern da draußen (oder solche, die es werden wollen):

Was denkst du: Gibt es Unterschiede in der Situation allein erziehender Mütter und Väter? Wer hat den schwereren Job?

(überlegt)… Meiner Meinung nach kann man das so pauschal nicht sagen. Es kommt sehr auf die eigene Situation und den sozialen Stand an, ob man die Erziehung als einfach oder schwer empfindet, und weniger darauf, ob man Vater oder Mutter ist.

Generell finde ich aber, dass es mit einem gleichgeschlechtlichen Kind tendenziell einfacher ist. Mit einer Tochter würde ich wahrscheinlich weniger gut zurecht kommen.

Eine letzte Frage habe ich noch: Wäre deine Beziehung zu L. anders, wenn du eine Mutter für  ihn an deiner Seite hättest?

Vielleicht hätte ich mehr Unterstützung in praktischen Angelegenheiten, aber für meine Beziehung zu L. sehe ich eher keine Auswirkungen. Im Umgang mit L. benötige ich aus meiner Sicht keine Hilfe. Außerdem hat es auch Vorteile, allein erziehend zu sein: Ich muss mich mit niemandem abstimmen und für nichts rechtfertigen. Wenn ich sehe, wie ihr Elternpaare manchmal miteinander diskutiert, muss ich schon sehr schmunzeln.

René, vielen Dank für dieses Gespräch!

Wie schon in meinem ersten Teil meiner Interviewreihe, in dem es unter anderem um das Thema Nachhaltigkeit ging, möchte ich auch hier noch ein paar Gedanken zum Thema „Allein erziehende Väter“ los werden, sozusagen als Abschluss und Fazit:

Lieber René,

im Vorfeld des Interviews war ich total gespannt auf deine Antworten und habe mich gefragt, was ich da wohl Spektakuläres hören werde. Als das Interview dann beendet war, hat es mich etwas ratlos zurückgelassen: Es war gar nicht so spektakulär und am Ende hast du dich dargestellt wie Jeder und Jede von uns: Ein Elternteil, das sein Kind liebt, mit genau den gleichen Zweifeln, Sorgen und Freuden. 

Daran hatte ich eine Weile zu knabbern und zu rätseln: Was genau hatte ich eigentlich erwartet? Und erst irgendwann später ist es mir sehr klar geworden: Was mich so erstaunt hat, ist die Selbstverständlichkeit, mit der du dein Familienleben lebst, gänzlich unaufgeregt und ohne dich zu bedauern oder als Ausnahme zu betrachten. Du siehst dich selbst als das, was du bist: Ein Papa, der versucht, jeden Tag sein Bestes zu geben und der dabei Fehler macht, wie alle anderen Eltern auch.

Dabei bist du, rein statistisch gesehen, tatsächlich eine Seltenheit: 

Was ich also an dir bewundere, lieber René, ist die Tatsache, dass du die Dinge anpackst, anstatt lange darüber zu lamentieren.

Mir ist klar geworden, dass es ein Luxus ist, sich Aufgaben mit dem Partner teilen zu können und nicht 24 Stunden lang an jedem Tag die komplette Verantwortung tragen zu müssen.

Und als ich noch eine Weile weiter darüber nachdachte, warum ich eigentlich die Situation allein erziehender Mütter als nicht ganz so fordernd (bitte nicht falsch verstehen, das ist auch eine Meisterleistung!) empfinde, ging mir auf, dass allein erziehende Väter in Bezug auf ihre Kinder in der Regel nicht so vernetzt sind wie Mütter. Wer ist denn in den ganzen Whatsapp-Chats? Doch meist die Mütter. Und wer trifft sich regelmäßig zum Käffchen und schreibt Nachrichten? Zwischen Müttern werden Fragen beantwortet, die man noch nicht einmal gestellt hat, Probleme beleuchtet, über die man ansonsten im Leben nicht nachdenken würde, sei es zum Thema Ernährung, Erziehung oder Förderung. Für Väter kann es unter Umständen schwieriger sein, an Informationen zu gelangen

Jetzt gerade in diesem Moment frage ich mich aber, ob das nicht auch wieder ein Pluspunkt für dich ist, René, weil du dich einfach nicht verrückt machen lässt durch die 1000 Meinungen, die man zu einer Frage haben kann :-).

Wie du schon sagst, es hat alles seine Vor- und Nachteile, auch allein erziehender Vater zu sein! Respekt für dich und alle anderen allein erziehenden Väter, aber auch für die

  • allein erziehenden Mütter,
  • älteren Mütter,
  • Teenie-Mütter,
  • Mütter und Väter mit „besonderen“ Kindern,
  • Eltern mit vielen Kindern
  • oder nur einem Kind, 
  • Eltern, die derzeit Beruf und Homeschooling/Kinderbetreuung unter einen Hut bekommen müssen,
  • Eltern mit einer großen Familie, denen bei der Erziehung ständig dazwischen geredet wird,
  • und Eltern, deren Familien hunderte Kilometer entfernt wohnen und die sich mehr Unterstützung in der Nähe wünschen.

Die Liste ließe sich unendlich weiterführen. Ihr alle seid einzigartig. Es gibt kein Patentrezept für die Lösung eurer Schwierigkeiten im Alltag, bewahrt euch einfach die Freude am Ausprobieren und hört zuallererst auf euer Herz, der Rest findet sich dann meist von selbst. Danke, dass du mir das wieder einmal ins Bewusstsein gerufen hast, René.

Und damit wünsche ich euch einen wundervollen Start ins neue Jahr und verabschiede mich bis bald zum nächsten Beitrag!

Eure Franzi

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2 Antworten

  1. Liebe Franzi,
    Vielen Dank für den tollen Beitrag. Er fesselt zum zu Ende lesen, trotz der frühen Stunde. Und er regt zum Nachdenken an sowie zum „Loslassen“. Danke dafür. Ich bin begeistert!
    Alles Gute für Dich und Deine Familie
    Dani

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