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Hallo und herzlich willkommen zu einem neuen Beitrag auf meinem Blog!

Manchmal glaube ich, mein Mann hat Recht und ich bin wirklich zu naiv für diese Welt. Wie ich darauf komme? Nun ja, ich dachte, 2021 wird besser als das vergangene Jahr und irgendwie habe ich wohl erwartet, dass sich das gleich von Beginn an zeigen müsste.

Stattdessen habe ich bereits in Kalenderwoche zwei über den Rand der Verzweiflung hinausgeblickt und mich gefragt, wo das alles noch hinführen soll. Das ist normalerweise gar nicht meine Art, ich war bestürzt über diese Erkenntnis.

Grund dafür ist die derzeitige Ausnahmesituation, in der die Aufgabe lautet: „Bringe Homeoffice und Homeschooling unter einen Hut“. Die Situation war anfangs chaotisch, ich hatte das Gefühl, in keinem meiner Lebensbereiche mehr zufriedenstellende Ergebnisse abzuliefern, sodass irgendwann klar war: So kann es nicht weitergehen. Und was macht Franzi, wenn es scheinbar nicht mehr weitergeht? Richtig: Nachdenken und einen Plan schmieden.

Um die richtige Lösung zu erarbeiten, muss man erstmal wissen, wo eigentlich das Problem liegt. Daran möchte ich euch gern teilhaben lassen! Es folgt eine kleine Textaufgabe für Knobelfans:

  • Meine regelmäßige Arbeitszeit beträgt 35 Stunden in der Woche
  • Mein Sohn in der ersten Klasse hat 5 Schulstunden am Tag, macht 25 in der Woche (ihr habt Recht, es sind jeweils 45 Minuten, aber die Pausen müssen ja auch berücksichtigt werden)
  • Die Möglichkeit, zeitgleich zu arbeiten und meinen großen Sternentänzer Aufgaben für die Schule machen zu lassen, ist faktisch nicht gegeben, weil es in der ersten Klasse um Begleitung geht. Er kann sich kein Wissen selbst anlesen, weil: Richtig, er kann noch nicht lesen!
  • Um ein wenig Ruhe für die Schulaufgaben zu haben, bin ich dazu übergegangen, meinen kleinen Sternentänzer wieder in die Kita zu geben. Dort verbringt er etwa 35 Stunden in der Woche. Mal sehen, wie lange das noch so möglich ist… Und während diese Zeile noch nicht einmal veröffentlicht ist, hat sich die Situation bereits geändert, mein kleiner Sternentänzer hat Husten und muss seit heute zuhause bleiben. 
  • Für Essenszubereitung und gemeinsame Mahlzeiten geht noch einmal beträchtlich Zeit drauf, die nicht für Arbeit oder Schule zur Verfügung steht.
  • Und dann wäre da noch die winzig kleine Tatsache, dass die Motivation meines großen Sternentänzers nicht immer gerade dann ihren Höhepunkt erreicht, wenn ich zeitlichen Freiraum habe!
  • Haushalt? Ach ja, da war ja was!

Merkt ihr´s? Die Gleichung hat einige Unbekannte und erscheint für mich, die im Abitur keinen Mathe-Leistungskurs besucht hat, auf den ersten Blick nicht lösbar.

Also habe ich mir gedacht, nutze ich mal Schwarmwissen und frage in den sozialen Medien meines Vertrauens, wie die anderen das so handhaben. Schließlich gibt es ja bereits Erfahrungswerte aus dem ersten Lockdown, als meine Kinder noch beide im Kita-Alter waren und die Herausforderung „nur“ darin bestand, sie zu beschäftigen. Damals dachte ich, ich hätte es schwer :-).

Das Ergebnis meiner Befragung war ernüchternd: Fast alle, die mir antworteten, haben mir ihr Mitgefühl ausgedrückt und berichteten, wie anstrengend und kräftezehrend die Situation ist! Das kann doch nicht sein oder? Doch, ganz genau so ist es! Weil eben noch niemand eine Lösung für die oben stehende Gleichung gefunden hat, und weil in jeder Familie die Variablen ein bisschen anders aussehen: Kita- Kinder, Schulkinder, verschiedene Jahrgangsstufen, eins oder mehrere Kinder, ein Partner zuhause oder beide, flexible Arbeitszeiten ja oder nein, technische Ausstattung und Organisation durch die Schule…?

Kleiner Hinweis am Rande: Diejenigen, die bei ihrer Rückmeldung nicht gejammert haben, waren die, bei denen die Kinder brav und mit Begeisterung ihre Aufgaben konzentriert und ohne Hilfe lösen. Herzlichen Glückwunsch, euch da draußen, ich hoffe, ihr wisst es zu schätzen!!! 

Aber Franzi wäre nicht Franzi, wenn sie sich die Rückmeldungen nicht ganz genau durchgelesen und doch noch den einen oder anderen Tipp für euch herausgefunden hätte! Aufgrund der verschiedenen Fallkonstellationen, die ich gerade beschrieben habe, können diese nur sehr allgemein formuliert sein, hierfür bitte ich um Entschuldigung. Der Vorteil daran ist, dass die allgemeinen Aussagen sich gut an die jeweilige Situation anpassen lassen! Und hier präsentiere ich proudly meine Erkenntnisse:

1. „Manche planen, um nicht zu versagen. Andere versagen, weil sie nicht planen.“ (Peter E. Schumacher)

Planung ist alles, das gilt auch und vielleicht gerade für eine solche Ausnahmesituation! Ich habe mich also hingesetzt und geschaut, wann ich innerhalb des von meinem Arbeitgeber zugelassenen Zeitfensters arbeiten kann, ohne dass es die Homeschooling-Abläufe stört. Gerade früh am Morgen gibt es bei mir dafür Potential. Ich weiß, das geht nicht bei Jedem und auch ich habe Besprechungen, die ich nicht schieben kann, aber grundsätzlich habe ich die Möglichkeit, in den so genannten Randzeiten zu arbeiten. Danke, lieber Arbeitgeber, dass du das möglich machst!

Die Planung der Arbeit ist das Eine, doch auch das Homeschooling will gut durchdacht sein! Wenn es irgendwie geht, macht euch am Wochenende einen Plan, an welchen Tagen welches Pensum erledigt werden soll, damit ihr nicht am Ende der Woche vor einem riesigen Berg noch zu erledigender Aufgaben steht. Auch hier habe ich Grund, dankbar zu sein: Unserer Schule, weil jeden Sonntag klar ist, was in der kommenden Woche zu erledigen ist!

Ich habe in Anlehnung an den „normalen“ Stundenplan einen Stundenplan fürs Homeschooling erstellt und die täglichen Aufgaben für jedes Fach dort eingetragen. Wichtig ist, eine Spalte einzufügen, in der die Kinder ihre erledigten Aufgaben abhaken können. So sehen sie auf einen Blick, was sie schon geschafft haben und was noch offen ist. Außerdem können Inhalte beliebig getauscht werden, Hauptsache ist, am Ende des Tages sind alle Haken gesetzt.

Zur Planung gehört für mich auch, dass ich abends, wenn Ruhe eingekehrt ist, die Aufgaben für den kommenden Tag so vorbereite, dass wir direkt loslegen können. Nichts tötet die Motivation eines Kindes schneller, als wenn die Eltern erstmal Material zusammen suchen müssen!

Abends schaue ich mir also die Aufgaben an, lege Hefte und Bücher bereit und überlege mir, an welchen Stellen ich kleine Highlights einbauen kann, die den Unterricht spannender machen. Damit wären wir beim nächsten Punkt: 

2. „Wenn Du nichts richtig machen kannst, dann entscheide Dich für das, was Dir am meisten Spaß macht!“ (Gunter König)

Wir alle wissen es von uns selbst: Am besten lässt es sich arbeiten und lernen, wenn das, was wir tun, Spaß macht! Das gilt natürlich auch und gerade für das Homeschooling. Und zwar nicht nur für die Kinder, sondern ebenso für die Eltern!

Aus diesem Grund überlege ich bei den von der Schule gestellten Aufgaben immer,  wie ich das Wissen auf spielerische Weise vermitteln kann. Das kann ganz unterschiedlich aussehen. In manchen Fächern sind die Aufgaben der Schule bereits so formuliert, dass man sie sehr gut umsetzen kann. Bei anderen Fächern ist zusätzliche Motivation erforderlich, hier werde ich selbst aktiv. Hier stellt es sich gerade als großes Geschenk heraus, dass ich in meiner beruflichen Tätigkeit gelernt habe, Wissen anschaulich zu vermitteln. Und, dass diese Aufgabe diejenige an meinem Beruf ist, die mir am meisten Spaß macht. 🙂 

Was soll ich sagen? Wenn mein Kind Spaß hat, habe ich auch Spaß und ich sehe die Lernzeit als wertvolle Zeit, die wir miteinander verbringen. 

Allerdings hört der Spaß auf, wenn der Druck steigt (an Tagen, wo für meine Arbeit und für die Schule viel zu tun ist, im Haushalt alles liegen bleibt und ich nicht weiß, wie ich das alles schaffen soll). Da ist dann der Geduldsfaden ein wenig zu kurz und die Stimmung droht zu kippen. Ich denke, ihr wisst, wovon ich rede! Aber was tun wir in diesem Fall?

3.Der Perfekte muß lernen, wie man einen Fehler macht.“ Rupert Schützbach

Hier muss ich tatsächlich noch sehr viel lernen! Meistens gerate ich unter Druck, wenn alles ganz perfekt sein soll. Wie wir oben gesehen haben, ist es unter den gegebenen Umständen aber nicht möglich, alles ohne Abstriche zu erledigen. Da muss man sich dann überlegen, welche Dinge Vorrang haben und an welcher Stelle vielleicht auch mal gelten kann: „Mut zur Lücke“. Bei mir ist es so, dass die Schulaufgaben absoluten Vorrang haben. Da bei meinem großen Sternentänzer in der ersten Klasse die Grundlagen für seine gesamte schulische Laufbahn gelegt werden, ist das einfach am aller wichtigsten. Allerdings habe ich nicht den Anspruch, auch jede erdenkliche Zusatzaufgabe lösen zu lassen. Damit wären wir wohl alle überfordert.

Der Haushalt darf dafür gerne mal etwas chaotischer als aussehen, schließlich kommt ja eh kein Besuch 🙂

Bei der Arbeit mache ich, was geht, und nutze die Randzeiten aus. Das heißt, ich fange sehr früh an, wenn die Kinder noch schlafen, und schaue, wie viel ich in der Zeit schaffe, der Rest findet sich über den Tag verteilt bislang irgendwie.

Auch hier sind Abstriche nicht zu vermeiden und anfangs war ich sehr unglücklich, weil ich nicht die gewohnte Leistung bringen konnte. 

Vielleicht sollte ich gemeinsam mit den Kindern einen Meditationskurs besuchen, der in den Pausen stattfindet, um Entspannung zu erlernen?

4. „Der Sport verhält sich zum Alltag wie das Heilige zum Profanen.“ (Peter Sloterdijk)


Das mit der Meditation war ein wenig spaßig gemeint, aber ein wahrer Kern steckt schon darin: Wenn ich merke, dass mein großer Sternentänzer zu hibbelig wird, schicke ich ihn raus, damit er sich austoben kann. Das ist ein Tipp, den mir auch mehrere andere Eltern gegeben haben und meist hilft es auch, dass er danach den Kopf frei bekommt.

In meinen Sport-Tipp steckt auch irgendwie der Gedanke, dass man nicht einfach das Tagesprogramm non-stop durchziehen kann. Besser sind kürzere Einheiten mit aktiven Pausen darin, um den Akku wieder aufzuladen.

5. „Lehre tut viel, aber Aufmunterung tut alles.“ (Johann Wolfgang von Goethe)

Wahrscheinlich habt ihr es schon längst bemerkt: Je mehr ihr euch aufregt, wenn die Kleinen keine Lust mehr auf Schule haben, obwohl noch so viele Aufgaben für den Tag anstehen, desto schlimmer wird es. Da wird einfach zugemacht und nichts geht mehr. Deshalb gilt: Erkennt an, was eure Kinder bis dahin erreicht haben, lobt sie, muntert sie auf. Es ist für uns alle eine schwierige Situation und die Kinder müssen sich ja auch erst daran gewöhnen, dass sie plötzlich zuhause den Schulstoff des ganzen Tages machen müssen. Der Lehrer ist ein anderer, die Methoden sind völlig neu, und wenn dann noch Stoff behandelt wird, den sie nicht auf Anhieb verstehen, kann das sehr überfordern. Daher habe ich mir aus dem Netz Lobkärtchen ausgedruckt. Immer, wenn etwas besonders gut funktioniert hat, bekommt mein großer Sternentänzer ein Lobkärtchen und ist sehr stolz darauf. 

Lobkärtchen gibt es bereits fertig zum Ausdrucken, ich habe mich für diese hier entschieden. Auf der Seite von Majooki kann man sich zwischen vielen verschiedenen Designs entscheiden und alle sind sehr niedlich gestaltet…

Zu Anfang hatte ich Bedenken, schließlich heißt es ja immer, die Motivation muss von innen kommen, zu viel Lob ist nicht gut für die Kinder und so weiter. Gerade im Bereich der Montessori-Pädagogik ist Lob nicht gern gesehen, und wer meinen Blog kennt, der weiß, dass ich große Stücke auf das Montessori-Konzept halte.

Deshalb überlege ich mir gut, wofür und an welchen Stellen ich lobe. Also nicht: „Toll, du hast alle Aufgaben richtig gelöst!“, sondern eher: „Du hast dir heute bei Deutsch richtig viel Mühe gegeben, ich bin stolz auf dich!“. Nicht das Ergebnis wird gelobt, sondern Aufmerksamkeit oder Bemühen. Auf das Ergebnis ist mein großer Sternentänzer schon von allein stolz genug.

Auch wenn es schwer fällt, habt Verständnis, wenn es mal nicht so läuft! Und wenn ihr denkt, ihr braucht Aufmunterung, weil es nicht funktioniert wie erwartet, dann geht es eurem Nachwuchs höchstwahrscheinlich genau so. Nehmt euch in den Arm, sagt euch ein paar liebe Worte, legt alles eine  halbe Stunde zur Seite…

Damit sind die Aufgaben zwar noch nicht bewältigt, aber der Familienfrieden wieder hergestellt. 

Das waren meine fünf Tipps, wie ihr die Situation bewältigen könnt! Ich weiß, wahrscheinlich habt ihr euch mehr versprochen und gedacht, ihr lest den Artikel und dann läuft alles wie von selbst. Leider muss ich euch enttäuschen. Es ist und bleibt schwer, und auch wenn ich das so aufgeschrieben habe und überzeugt bin, dass es einfacher wird, wenn man sich daran hält, bin ich meilenweit davon entfernt, stets die Ruhe zu bewahren und alles mit links zu wuppen. Am wichtigsten ist und bleibt der Punkt: Versucht nicht, perfekt zu sein! Das geht nicht. Die meisten von uns sind weder Lehrer, Erzieher noch ausgebildete Superhelden. Noch nicht, aber vielleicht, wenn das Homeschooling vorbei ist und wir doch noch den Schlüssel zum perfekten Tagesablauf gefunden haben:

In diesem Sinne: Haltet durch, versucht es nicht zu ernst zu nehmen und freut euch über alles, was schon gut funktioniert!

Liebe Grüße und bis zum nächsten Beitrag,

Franzi

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2 Antworten

  1. Hey Franzi, ein super Artikel. Ich finde mich in ihm sehr gut wieder. Man will alles perfekt machen und verkackt es dadurch vielleicht, dazu die Ungeduld, der Unwillen des Kindes, das eigene schlechte Gewissen entweder dem Kind oder der Firma gegenüber und an eigene Wünsche kann man gar nicht denken. Deine Lobkarten finde ich top und werde meine Kleine morgen mit einem Einhornlob überraschen.
    Hast du sehr schön geschrieben.

    Viele Grüße

    René

    1. Hallo René,
      danke für das schöne Feedback, es freut mich immer zu hören, wenn jemandem meine Beiträge geholfen haben. Ich bin gespannt, was deine Kleine zum ersten Lobkärtchen sagt! 🙂
      Viele Grüße und haltet durch, irgendwann ist auch das vorbei und dann haben wir sooo viel gelernt (zum Beispiel, wo unsere Grenzen sind und wie es dahinter so ausschaut…)!

      Viele Grüße,
      Franzi

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